Schreibblockade - mal eine etwas andere Idee

      Schreibblockade - mal eine etwas andere Idee

      Wenn ich mal eine Schreibblockade habe oder mich ablenken will, dann schreibe ich Fan-Fiktion und zwar entgegen dem Genre, wo ich mich eigentlich zuhause fühle. Normalerweise schreibe ich Thriller, aber wenn mir nichts einfallen will oder ich an einem Punkt nicht weiter komme, dann schreibe ich z.B. Stargate Atlantis in einer alternativen Zeitlinie stellenweise stelle ich diese dann auch online, selbstredend ohne Verkauf, sondern einfach nur zum Zeitvertreib. Allerdings sollte man sich vorher informieren, ob der oder die Autor (in) das genehmigt, sofern nicht, kann man dies immer noch für sich selbst, als Schreibübung nehmen.

      LG Martina
      Hallo Martina,

      ich glaube, dass die beruehmte Schreibblockade oftmals kaum etwas mit Ideenlosigkeit zu tun hat. Sie ist oft eine abgewandelte Form der Prokrastination, einer Stoerung, die seit Jahren voellig unerfolgreich erforscht wird.

      Bei mir aeussern sich Schreibblockaden buchstaeblich darin, dass ich nicht "faehig" bin, mich am Rechner zu setzen und meine Ideen oder die, die bereits im Storyboard oder Plot manifestiert sind, umzusetzen. Das kann nur wenige Tage oder sogar Jahre dauern.

      Das was du beschreibst ist in der Tat eine Ideenlosigkeit bezueglich deines Romanthemas, aber du bist dennoch ergiebig, indem du Fanfiction schreibst. Also da sehe ich aus psychologischer Sicht keine Schreibblockade (oder auch Schreibhemmung, wie man sagt)!.

      Viele Gruesse,
      Daniel
      Hallo Daniel,

      du meinst also eher den inneren Schweinehund, kenne ich gut - es ist eher so ein wenig die Disziplinlosigkeit.
      Fanfiction hält m.E. den Schreibfluss aufrecht, es geht ja auch darum sich nicht fest zuschreiben in dem Sinn, denn wenn man kurz davor ist oder bzw. es merkt, dass man festhängt, und ehe mann den Stift auf den Schreibtisch wirft und sagt so wird das nie etwas, sollte man sich auf "Hosenboden" setzen und etwas anderes schreiben nur um des Schreiben willens, denn so kommt man nicht in die Versuchung zu sagen, "ich schreibe morgen weiter" und aus morgen wird übermorgen oder überübermorgen.

      Außerdem finde ich, dass es das Schreiben schult, denn es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen :isee: - schade eigentlich

      LG Martina
      Hallo Martina,

      Ja, das hatte ich mir beinahe gedacht (lach)! Nein, Prokrastination hat nichts mit Disziplinlosigkeit zu tun. Prokrastination oder besser gesagt die pathologische/chronische Prokrastination ist eine "personality disorder", also ein Persoenlichkeitsstoerung, die warum auch immer verhindert, dass man das macht, was man geplant hat oder was man machen moechte.

      Mein Buch "Mein Leben mit der Prokrastination" ist ein Ausdruck dessen!

      Viele Gruesse,
      Daniel
      Das ist ja so ähnlich wie mit dem Symtom "Fatuige" bei Krebs - es beschreibt eine Art Antriebslosigkeit, Schlappheit und im nächsten Moment könnte man Bäume ausreißen - es ist keine Depression und auch kein Borderline oder Burn Out sondern steht eigentlich im Zusammenhang mit der "Todesgefahr" die man durch den Krebs erlebt.

      Nur als Kurzkommentar, da dies sonst ausufern würde
      Hallo Martina,

      deine Erfahrunen mit dem Krebs in allen Ehren und ich bin superfroh, dass du die Gewinnerin bist und nicht andersherum. Aber Prokrastination ist nicht das, was du glaubst zu sein. Aber ich verstehe dich vollkommen, denn selbst die namhaftesten Forscher im Bereich der Prokrastination sind voellig unterschiedlicher Meinung, was Prokrastination ist. Allerdings sind sie sich zumindest darin einig, dass kein Prokrastinator/in faul ist.

      Viele Gruesse,
      Daniel
      Das habe ich damit auch nicht gemeint, sondern dass du dich wie Lustlos, leer und so fühlst - ich versuche es mal an einem ganz einfachen Beispiel zu verdeutlichen.

      Stell dir vor, du willst mit Fatigue ein Buch schreiben - den Ablaufplan hast du geschafft, aber nun geht es an das Schreiben - am Morgen nach dem Aufstehen bist du voller Elan, aber da ist ja noch der Abwasch - gut den zu erst, dann setzt du dich an den Rechner - aha da stehen drei Mails, die zuerst, danach wird aber geschrieben, dann klingelt das Telefon ohh die beste Freundin, nebenher tippst du einen Satz und verlierst das Gespräch total aus dem Ohr - ÄHHH - was hast du gesagt (eigene Gedanken - man der Satz ist aber Mist - und löscht ihn) nachdem Telefonat schreibst du eine Seite, wobei du zwischendurch zwei Seiten wieder gelöscht hast, dann ist Mittag - weil du ja krank bist - brauchst du Mittagsschlaf - ach nebenher noch schnell Spagetthi machen - und so weiter, bis am Ende des Tages eine halbe Seite im Rechner abgespeichert ist und man totmüde ins Bett fällt.
      Du könntest innerlich Bäume ausreißen und willst tausend Dinge gleichzeitig schaffen, aber wenn es dann ans konkrete geht sind millionen andere Dinge dran und das "frustet" einen.

      LG Martina

      PS hier der Link zu Fatigue

      de.wikipedia.org/wiki/Fatigue-Syndrom
      Hallo Martina,

      nun, es hoert sich zumindest aehnlich an, wie es mit der Prokrastination ablaeuft.

      Ein sehr deutlicher Unterschied ist nicht etwa, dass man sich selbst immer wieder ablenkt, sondern dass man voellig bewusst wahrnimmt, dass man nicht imstande ist etwas zu tun. Heisst, selbst wenn du mit Etwas anfangen moechtest, bist du einfach nicht imstande, es zu tun. So, wie ein Alkoholiker ein volles Glas nicht stehen lassen kann, so kann ein Prokrastinator einfach nicht mit was auch immer anfangen. Entscheidend ist ebenso der Leidensdruck, der nicht nur auf Prokrastinatoren, sondern auch auf saemtliche Familienmitgliedern liegt, die Versagensaengste, die Angst nicht mehr voll genommen zu werden, Ablehnungsaengste, etc., und die sich fast immer anschliessende und immer wiederkehrende Depression, die in sehr vielen Faellen, ein unerfreuliches Ende nimmt.

      Viele Gruesse,
      Daniel
      Ja, der Vergleich mit dem Alkoholiker ist gut, du weißt, dass du es stehen lassen musst, aber die Verführung ist zu groß und dann kommt der Absturz und dann beginnt ein Teufelskreis.

      Das ist mit dem Schreiben auch so - man nimmt es bewusst wahr.
      LG Martina
      Naja, so in etwa kann man es auch beim Prokrastinator sehen. Bedenke aber, dass der Alkoholiker nur wenige Augenblicke am Tag klar ueber seine Situation nachdenken kann. Der Prokrastinator hingegen ist sich jede Sekunde am Tag darueber bewusst.

      Ein weiterer Unterschied ist, dass man Alkoholismus in der Regel sehr gut mit einer hohen Erfolgsquote behandeln kann. Jedoch ist nach modernster wissenschaftlier Auffassung die pathologische Prokrastination nicht nachhaltig therapierbar.

      Viele Gruesse,
      Daniel